Neuer Anfängerkurs

Am 6. und 7. April ist es bei uns wieder soweit – der Frühlingsanfängerkurs für Kinder, Jugendliche und Erwachsene startet. Wir beginnen mit einem intesiven Einstiegswochenende, bei dem ihr von unserem Trainerteam und engagierten Mitgliedern der aktiven Gruppe die ersten Grundlagen erlernen könnt.

Alle Informationen haben wir euch hier zusammengefasst. Daneben findet ihr hier einige Interviews von unseren Mitgliedern. Sie erzählen, was sie zu uns gebracht hat und warum sie nach dem Einstieg geblieben sind.

Paula Seeburg – einmal nach Japan und zurück

Im nächsten Interview widmen wir uns einer jungen Kendoka, die mit 17 Jahren kurz vor dem Übergang in die Frauenkategorie steht. Seit zwei Jahren macht Paula Seeburg nun schon Kendo und war bereits für ein Jahr in Japan an einer High Schoool unter anderem im Kendo Club aktiv.

Vermutlich hast du vor der Wahl Kendo zu machen einige andere Sportarten
ausprobiert. Was hat dich letztendlich zu Kendo gebracht?

Naja, viele waren es nicht. Ich habe eine Zeit lang Selbstverteidigung gemacht und bin geritten. Mit Selbstverteidigung habe ich aufgehört als meine Familie umgezogen ist und das Reiten hat mir irgendwann nicht mehr so richtig viel Spaß gemacht. Meine Eltern waren aber der Meinung ich müsse Sport machen, also habe ich mich nach etwas anderem umgesehen. Von Kendo habe ich dann tatsächlich in der Zeitung gelesen. Das Bild in der Zeitung sah cool aus, also habe ich den Artikel dazu gelesen (okay, vielleicht auch ein bisschen, weil japanisch darüber stand). Nachdem ich den Artikel gelesen hatte, habe ich mich sofort informiert und für den nächsten Anfängerkurs angemeldet.

Wenn dich deine Freunde oder deine Familie neugierig fragt, was du da eigentlich machst, was antwortest du dann? Wie beschreibst du dein Hobby?

Das ist immer ein bisschen schwierig zu beantworten, aber meistens sage ich einfach, dass es eine eine japanische Kampfsportart ist, bei der wir mit Schwertern kämpfen. Meist kommt daraufhin die Frage: „ach, so wie Fechten?“ Und da stehe ich vor dem nächsten Problem, ich hab keine Ahnung vom Fechten also sage ich zu Freund*innen die ich gut kenne meist scherzhaft so etwas wie, „so ähnlich, aber Kendo ist cooler ;)“. Ansonsten zeige ich meist einfach ein Bild auf den Handy und sage: „So ungefähr sieht das aus. Wir kämpfen mit Bambusschwertern und müssen immer schreien.“ Wenn Interesse besteht erzähle ich natürlich gerne weiter, aber den meisten reicht das als Erklärung.

Deine Faszination und dein Interesse an Japan haben dich im letzten Jahr zu einem Auslandsjahr gebracht. Wie war der Wechsel für dich vom deutschen Freizeitkendo zum japanischen Schulkendo?

Hart. Ich hab statt ein- bis zweimal die Woche Training, vier- bis fünfmal in der Woche trainiert. Das war am Anfang super anstrengend und ich hatte echt viel Muskelkater. Aber das legt sich nach ein paar Wochen und dann ist es einfach nur noch toll!!! Obwohl das Level wesentlich höher war als in Deutschland in meiner Altersklasse – in Japan fangen die Meisten schon in der Grundschule mit intensivem Training an, deshalb ist das dort ganz normal. Weitere Unterschiede waren, dass unser Sensei nicht immer da war und an solchen Tagen die Älteren die Jüngeren trainiert haben. Oder dass wir zwar unglaublich viel kindischen Quatsch gemacht haben, aber sobald das Training begonnen hatte, haben sich alle benommen und waren super diszipliniert. Es waren quasi zwei Welten, Training und alles drum herum. Aber ich muss ehrlich sagen, mir macht beides viel Spaß; das japanische und das deutsche Training. Ich vermisse meinen Club in Japan wirklich sehr.

Paula mit ihren Freunden des Kendoclubs beim Sportfest der High School

Nachdem du zurück gekommen bist, hast du eine noch größere Jugendgruppe kennenlernen dürfen. Wie war das für dich wieder in die neue alte Gruppe zurückzukommen?

Lustig. Am ersten Tag war von den Jugendlichen nur eine Person da, die ich kannte. Das hat mich sehr überrascht. Beim nächsten Mal waren es dann schon mehr und ich habe mich sehr gefreut alle wiederzusehen und auch mit den anderen, die ich vorher noch nicht kannte verstehe ich mich gut. Was mir aber immer noch passiert, ist dass ich während des Trainings plötzlich anfange Japanisch zu sprechen, weil die ganzen Wörter japanisch sind und mein Gehirn einfach umschaltet, aber das legt sich sicher bald wieder.

In der Schule geht es für dich jetzt auf den Abschluss zu.
Schaffst du es gut dein Hobby und den Schulalltag zusammenzubringen? Ist das eher schwer oder profitieren Schule und Kendo sogar voneinander?

Ehrlich gesagt beides irgendwie. Vor Klausuren ist es natürlich manchmal stressig, aber Stress muss auch abgebaut werden. Sport und Spaß helfen dabei. Und ja, Schule profitiert auch vom Kendo. Ich habe beim Kendo viele Dinge gelernt, die mir auch in der Schule helfen. Disziplin und Ausdauer. Beides ist gut auf das Lernen für die Schule anzuwenden. Aber am meisten hat Kendo mir in Sachen Selbstbewusstsein schaffen und Nervosität überwinden geholfen. Bei einem Kampf war ich am Anfang immer super nervös, aber wer nervös ist, ist auch unkonzentriert und damit sinken die Gewinnchancen. Wenn ich vor der Klasse sprechen muss, war es genau das selbe. Ich war nervös und habe gestottert und dann sinken natürlich die Chancen auf eine gute Note. Kendo hat mir sehr geholfen mein Selbstbewusstsein zu stärken und mit meiner Nervosität umzugehen. Das hilft mir nicht nur in der Schule, sondern auch im alltäglichen Leben. Ich bin weniger schüchtern und habe weniger Angst mehr Leute anzusprechen. Oder auch vor einer größeren Gruppe an Menschen zu reden. Kendo und Schule unter einen Hut zu bekommen ist also nicht immer ganz einfach, aber die Vorteile und der Spaß am Kendo sind die Mühen auf jeden Fall wert.

Wir haben dich in Hamburg relativ schnell in das Wettkampftraining der Erwachsenen und die jetzt neuen, speziellen Jugendtrainings aufgenommen. Du nimmst auch mit großem Eifer und Ehrgeiz teil. Wie vergleichen sich die Inhalte der speziellen Einheiten mit denen des Trainings am Dienstag und Freitag?

Häufig ist das Training am Dienstag und Freitag nicht ganz so anstrengend wie die anderen Trainings. Ich glaube, dass liegt vor allem daran, dass wir Dienstags und Freitags oft Grundlagen üben und bei den anderen eher Wettkampf orientiertes Training machen. Das reguläre Training hängt aber natürlich auch davon ab, was als nächstes so ansteht. Vor Prüfungen zum Beispiel machen wir häufig Kata, was mit Leuten, die das ernst nehmen echt viel Spaß macht. Zudem sehe ich beim regulären Training natürlich auch meine Freund*innen, was mich immer freut, die sind nicht immer bei allen speziellen Einheiten dabei.

Dafür sind bei den speziellen Einheiten manchmal auch Leute aus anderen Dojos dabei, sodass ich so noch mehr Kendo begeisterte Menschen kennenlernen kann, was echt cool ist.

Ich muss sagen, dass mir trotz der Unterschiede beides gleich viel Spaß macht.

Was sind deine kurz-, mittel-und langfristigen Ziele im Kendo?

Ehrlich gesagt habe ich da nie so richtig drüber nachgedacht. Ich liebe Kendo, deshalb trainiere ich so viel. Und natürlich bin ich auch motiviert und ehrgeizig und möchte auf jeden Fall besser werden. Und ich habe einem
Freund in Japan versprochen ihn eines Tages im Shiai zu besiegen. Ich glaube, das ist erstmal so mein Ziel. Kein wirklich konkretes und wahrscheinlich eher langfristiges Ziel, aber immerhin. Das Ziel in die Nationalmannschaft zu kommen, was vermutlich viele haben, habe ich im Moment nicht. Ich möchte am Training wachsen und Spaß daran haben. Wenn es sich aber ergibt, dass ich irgendwann professionell Kendo machen kann, werde ich nicht nein sagen.

Ganz lieben Dank für die ausführlichen Antworten und Einblicke. Wir freuen uns schon darauf mit dir weiter durch deine Kendokarriere zu gehen!

Lasse Bensieck – vom Handball zum Kendo

Durch Kendo habe ich meine Begeisterung für Sport gefunden, was mir generell im Schulsport hilft.

Lasse ist einer unserer Youngsters, der vor fast zwei Jahren seinen Weg zu uns gefunden hat. Mit seinen 16 Jahren und seinem Kendoalter reiht er sich wohl schon bald bei den jungen Danträgern ein – noch ein paar Kyugrade und es ist soweit 😉

Vermutlich hast du vor der Wahl Kendo zu machen einige andere Sportarten ausprobiert. Was hat dich letztendlich zu Kendo gebracht?

Ich habe davor nur Handball gespielt. Nach Handball hatte ich dann wieder Lust auf Sport, und da ich Kendo einmal in einem Anime gesehen habe, habe ich neugierig gegoogelt und es gefunden und ausprobiert.

Wenn dich deine Freunde oder deine Familie neugierig fragt, was du da eigentlich machst, was antwortest du dann? Wie beschreibst du dein Hobby?

Andere mit Bambusschwertern schlagen und sich schlagen lassen. Es ist natürlich sehr viel mehr als das.

Unsere Jugendgruppe wächst und wächst zur Zeit. Dadurch kommt es immer wieder vor, dass du auch mit neueren Kendoka trainierst. Wie nimmst du diese Entwicklung war?

Ich finde es ist eine tolle Entwicklung und bringt immer mehr Stimmung ins Training. Da es vor allem junge Mitglieder sind, werden wir in ein paar
Jahren noch viele gute Kämpfer*innen mehr in unserem Verein haben; ich freue mich schon.

Derzeit trainierst du dienstags und freitags in der Jugendgruppe mit den etwas fortgeschritteneren Rüstungsträgern. Welche Eindrücke hast du vom Training? Was macht dir besonders viel Spaß?

Das Training mit den Fortgeschrittenen ist super, da man sich sehr schnell weiterentwickeln kann. Besonders Spaß macht mir dabei Kata (Training mit
dem Bokuto) und Jigeiko (freier Kampf, ohne Kampfrichter und Punkte).

Wie ist das für dich Kendo und Schule zusammenzubringen? Gibt es etwas, dass du beim Kendo gelernt hast, was dir auch im Schulalltag hilft? Oder vielleicht ist es auch umgekehrt und etwas aus der Schule hilft dir besonders beim Kendo?

Durch Kendo habe ich meine Begeisterung für Sport gefunden, was mir generell im Schulsport hilft. Aus der Schule konnte ich noch nichts hilfreiches in meinen Kendo-Alltag einbauen.

Neben dem regulären Training hast du begonnen auch an weiteren Kendoveranstaltungen am Wochenende teilzunehmen. Im Mai war das beispielsweise ein gemeinsames Trainingswochenende mit vielen dänischen Jugendlichen und jetzt im Oktober bist du zum Sankei-Cup in Dänemark mitgefahren. Was macht dir an solchen Veranstaltungen besonders viel Spaß?

In erster Linie die Kämpfe und es zusammen mit meinen Freunden vom Kendo zu machen, ist immer lustig. Wenn es in eine andere Stadt oder ein anderes Land geht, ist es immer ein bisschen wie Urlaub.

Hast du schon konkrete Ziele für die nahe und fernere Zukunft als Kendoka vor Augen?

Erstmal alle Kyu-Grade schaffen. Dann alles, was Kendo so zu bieten hat, ausprobieren und dann Kendo in anderen Ländern kennenlernen.

Wann macht dir das Training am allermeisten Spaß und worauf freust du dich jedes Mal wieder?

Wenn alle meine Freunde da sind und niemand daneben schlägt. Ich freue mich immer wieder auf die ausgelassene Atmossphäre, die Leute und die körperliche Betätigung.

Vielen Dank, dass uns unsere Fragen beantwortet hast.

Der zweite Kokoro-Cup

© Dominik Pitz

Nach weniger als einem Jahr war es am Samstag, den 24. Februar, schon soweit den zweiten Kokoro-Cup auszurichten. In diesem Jahr konnten wir uns über Teilnehmerinnen aus allen möglichen Richtungen und mit langen Anreisen freuen. Die längsten in diesem Jahr wohl aus Porto.

Zunächst soll an dieser Stelle unsere Kokoro Okazaki ihre Gedanken zum Turnier äußern können:

たくさんの人が集まった心カップ。多くのサポートと、参加者により大成功だった。宏安道場のメンバーと、参加してくれた人全員に感謝しています。

今回来てくれた人が、また次の仲間を呼び、剣道の輪が広がることを願う。来年は新しい参加者と今年の参加者が再会する場になるだろう。

私は日本に帰りますが、剣道で出会った人を忘れません。ドイツでの生活は、楽しいことだけではなかったけど、剣道のおかげで、私は強くなれました。

皆さんが日本にくる時は、必ず連絡ください。そして、会いましょう!

どうか、剣道を続けてください。そうすると、また素晴らしい出会いがあります。

みんなに、心から感謝しています。

„Der Kokoro-Cup hat viele Menschen angezogen. Mit viel Unterstützung und vielen Teilnehmern war es ein großer Erfolg. Ich möchte mich bei den Mitgliedern des Koan-Ken Dojo und allen, die teilgenommen haben, bedanken.

Hoffentlich werden diejenigen, die dieses Mal gekommen sind, die nächste Gruppe einladen und der Kendokreis wird sich erweitern. Nächstes Jahr werden sich die neuen Teilnehmer und die diesjährigen Teilnehmer wieder treffen.

Ich gehe zurück nach Japan, aber ich werde die Menschen, die ich beim Kendo kennen gelernt habe, niemals vergessen. Mein Leben in Deutschland war aber nicht nur Spaß und Spiel, Kendo hat mich stärker gemacht.

Wenn ihr nach Japan kommt, meldet euch unbedingt bei mir.
Und dann treffen wir uns!

Bitte macht weiter mit Kendo. Dann werdet ihr erneut wunderbare Menschen treffen.

Ich danke euch allen von ganzem Herzen.“

© Dominik Pitz

In der Tat blicken wir mit viel Stolz auf den 2. Kokoro-Cup zurück und mit nicht weniger Zuversicht auf den 3. Kokoro-Cup im nächsten Jahr. Ganze 43 Kämpferinnen und 21 Shinpan hatten sich gemeldet. Damit liesen sich die drei Turniere – Juniorinneneinzel, Fraueneinzel und Teamturnier – nahezu lückenlos und mit voller Energie angehen.

Die Kämpfe fanden durch die Bank auf erfreulich hohem Niveau statt und das eine oder andere Mal wurde es in der Halle ganz ruhig, wenn alle wieder gebannt auf die Kampffläche schauten. In den Turnieren konnten sich am Ende viele über Urkunden und Preise freuen.

Juniorinnen
1. Platz: Tomomi Nakashima (Koan-Ken Dojo, HH)
2. Platz: Chloe Leigh (Centerburry/Bath)
3. Platz: Sayaka Zenon (Canterburry/Bath)
& Amina El Guernaoui (Seikenjuku Oldenburg)
Kampfgeistpreis: Liana Aydin (Koan-Ken Dojo, HH)

Frauen
1. Platz: Miyoko Ota (Kokugikan, Berlin)
2. Platz: Haruna Yamaguchi (Koan-Ken Dojo, HH)
3. Platz: Nora Specht & Tomomi Nakashima (beide Koan-Ken Dojo, HH)
Kampfgeistpreis: Thais Kimura (Budokan Zürich)

Team
1. Platz: TamagoKakeGohan mit Tomomi Nakashima, Kokoro Okzaki und Haruna Yamaguchi
2. Platz: Debananas mit Thais Kimura, Filipa Borges  und Tais Moreno (letztere zwei vom Kendo Clube do Porto)
3. Platz: Ei Gude mit Hoa Le, Anna Deichmann und Rute André (USC Mainz)
& GB Blossoms mit Sayaka Zenon, Chloe Leigh und Yutaka Zenon (Canterburry/Bath)
Kampfgeistpreis: Tomoko Oda (Mumeishi Kendo Club, London)
& Johanna Rüdiger (Shiten Dojo, Leipzig)

Für uns alle zusammen hieß es dann, nach einem schönen Abendessen und einer ruhigen Nacht, am Sonntag wieder die Bambusklingenzu kreuzen. Beim Kendo kann man doch immernoch recht einfach neue Freunde finden, indem man dem Gegenüber mit viel Herz und Wärme auf den Kopf schlägt 😉