Julian Zabrocki – Do ist sein Spezialgebiet

Wenn es ein Turnier mit Jugendkategorie gibt, dann ist er am Start – Julian. Ein 13-jähriges Energiebündel, das auch die älteren Jugendlichen ordentlich zum Schwitzen bringt. Mit 10 Jahren hat Julian bei uns angefangen und ist seitdem ein ständiges Gesicht im Jugendtraining und immer auf der Suche nach einem starken Gegner oder einer starken Gegnerin, um sich zu messen.

Wie bist du damals auf uns aufmerksam geworden und was hat dich dazu gebracht bei uns anzufangen?

Ich war damals bereits Mitglied beim SVE (Fußball, Schwimmen) und habe mich nach einer neuen Sportart umgeschaut. Auf den Internetseiten des SVE bin ich dann  auf Kendo aufmerksam geworden und habe mich für das Anfängertraining angemeldet.

Beim 1. Franzbrötchenlehrgang gab Julian wie immer alles

Dienstags und freitags trainierst du bei den Jugendlichen und bist mittlerweile einer der Senpai, die beim Aufwärmen und bei den Grundtechniken die Übungen ansagen. Wie ist das Training in der Jugendgruppe?

Das Training in der Jugendgruppe macht mir viel Spaß, auch wenn das Training manchmal sehr anstrengend werden kann.

Als Senpai wähle ich selbst die Übungen für die ganze Gruppe aus. Das macht mir viel Freude.

Seit kurzem hast du jetzt auch die Erlaubnis bekommen mit den fortgeschrittenen Erwachsenen am Mittwoch und mit den Erwachsenen am Freitag zu trainieren. Wie ist das so im Vergleich zum Jugendtraining?

Das Erwachsenentraining ist viel anspruchsvoller. Alle sind konzentriert und ernst bei der Sache. Es werden auch Techniken geübt, die bei der Jugendgruppe noch nicht eingesetzt werden.

Wenn dich deine Freunde in der Schule fragen, was du da eigentlich als Hobby machst, was antwortest du dann?

Kendo – die Kampftechnik der Samurai.

Gibt es etwas, das dir in der Schule hilft, was du beim Kendo gelernt hast?

Ja, ich habe bemerkt, dass sich meine Ausdauer beim Lernen verbessert hat. Kendo ist auch ein hervorragender Ausgleich nach einem anstrengenden Schultag.

Julian (r.) bei der deutschen Jugendmeisterschaft beim Schlagen eines Do-Treffers.

Am Wochenende bereitest du dich auch häufiger auf Turniere und deutsche Meisterschaften vor. Das zahlt sich aus – in unserem Blog und auf Instagram bist du fast immer mit Medaille zu sehen. Wie erlebst du diesen manchmal echt stressigen Teil von Kendo?

Neben dem Wettbewerb sind auch das frühe Aufstehen, die weiten Reisen und die langen Tage sehr kraftraubend. Mit einer Medaillenplatzierung im Wettbewerb ist das aber ganz schnell wieder vergessen.

Hast du dir schon konkrete Kendo Ziele für 2026 und danach gesetzt?

In 2026 steht meine erste Dan Prüfung an. Ich plane auch wieder an Wettbewerben, wie z.B. der Deutschen Jugendmeisterschaft oder dem Sankei-Cup teilzunehmen. Am besten mit einer Medaillenplatzierung. Die Teilnahme an der Europameisterschaft wäre ein Traum für die Zukunft.

Wenn du dir den Inhalt von einem Training selbst wünschen dürftest, wie würde das Training dann aussehen?

Besonders gut finde ich, wenn wir neue Techniken lernen und diese gleich im Kampf anwenden.

Dann hoffen wir doch darauf, dass es noch viele Techniken zum Lernen gibt und die Erfolge in den Prüfungen und den Turnieren weiter anhalten. Bis zum nächsten Training!

Diana Frömmer – knuffig wie Relaxo

Heute möchten wir euch eine junge Dame vorstellen, die es im Sommer schon zum Meistertitel in Schleswig-Holstein geschafft hat: Diana. National und international schon für ihren Kampfgeist gelobt und ausgezeichnet.

Erzähl doch mal, wie du das Koan-Ken Dojo gefunden hast und wie dein Start bei uns so war?

Mein erster Sensei Matthias hat mich an euch weitergeleitet. Dann habe ich mich entschieden beim Anfängerkurs teilzunehmen und wurde super herzlich empfangen!

In aller Regel bist du unter der Woche in Lübeck beim Training, kommst aber Freitag immer zu uns. Wie erlebst du das Training bei uns? Und vergleicht sich das mit Lübeck?

Ich habe in beiden Dojos richtig viel Spaß aber bei euch habe ich viele tolle Freundschaften geschlossen und das Training ist für alle, die möchten auch mehr Turnier orientiert als in Lübeck. Meine Senseis sind mir sehr ans Herz gewachsen.

Das Training bei euch fühlt sich einfach immer ein bisschen wie Nachhausekommen an.

Deinen Kendostart hattest du in Lübeck; Wie wurdest du bei uns aufgenommen?

Von Anfang an total offen und nett. Ich war ja keine richtige Anfängerin mehr weshalb ich schnell zu den Fortgeschrittenen zugeteilt wurde, wobei ich mir um ehrlich zu sein am Anfang sehr viele Gedanken gemacht habe, was die Fortgeschrittenen von meinem Kendo halten. Ich habe aber schnell gemerkt, dass ich mir gar keine Gedanken machen muss, denn alle waren sehr lieb und hilfsbereit. Das hat mir geholfen schnell besser zu werden und noch motivierter zu trainieren.

Vor kurzem durften wir erfahren, dass du für einen Auslandsaufenthalt in Japan ausgewählt wurdest. Worauf freust du dich da am allermeisten?

Ich freue mich riesig auf das Training dort und darauf, japanisch zu lernen. Ich möchte Kendo direkt in seinem Ursprungsland erleben.

Mit den anderen aktiven Jugendlichen und Erwachsenen bist du häufiger in Deutschland und Dänemark unterwegs. Wie erlebst du die langen Kendowochenenden mit deinen Dojokameraden?

Mit jedem Turnier kommt man sich als Team näher. Wir motivieren uns gegenseitig und es macht mich total glücklich zu sehen, wie alle sich ständig verbessern. Außerdem haben wir immer eine richtig gute Zeit zusammen und sammeln viele schöne Erinnerungen.
Beim Sankei-Cup bin ich zwar in keinem Kampf weit gekommen, aber meine Freunde haben mich nach jedem einzelnen Kampf aufgemuntert und motiviert weiterzumachen. Beim Training am nächsten Tag wurde mir gesagt, was ich besser machen könnte. Daran werde ich jetzt auch erstmal arbeiten.

Welche Kendoziele setzt du dir selbst für 2026? … oder auch darüber hinaus?

Ich möchte mich gerne wieder bei der Landesmeisterschaft Schleswig-Holstein platzieren und mein Kendo weiterentwickeln vor allem schöner und schneller machen.

Nehmen wir mal an, dass im Jugendtraining „wünsch dir was“ auf dem Plan steht – welche Übungen sind für dich persönlich absolut unverzichtbar, wenn du besonders viel Spaß haben willst?

Unser Training gefällt mir sowieso schon gut. Am meisten Spaß habe ich, wenn wir Übungskämpfe oder Oikomi machen.

Na dann würde ich Mal sagen, dass wir uns beim nächsten Oikomi wieder sehen werden 😉

Michael Winter – 冬の呼吸

Nachdem es eine gewisse Schnittmenge zwischen dem Autor dieser Seite und dem Interviewten gibt, lassen wir das mit dem intro Mal sein. Viel Spaß mit den Fragen und Antworten 😉

Warum hast du dich entschieden ausgerechnet mit Kendo anzufangen?

Als ich im Herbst 2021 nach Hamburg gezogen bin, habe ich mich dazu entschieden endlich Mal wieder Kampfsport zu machen. Schon vor Corona im Studium hatte ich nach etlichen Jahren Taekwondo – auch durch einen Kreuzbandriss beim Skifahren – mich dazu entschieden eine Pause einzulegen. In Erlangen hatte ich Kendo beim Unisport gefunden, war damals aber zu spät dran und im nächsten Semester gab es keinen Kurs mehr. In Hamburg habe ich beim SV Eidelstedt dann auf der Website gesehen, dass es zwei Wochen nach meinem Umzug einen Einsteigerkurs gibt. Joa, deswegen bin ich jetzt hier 😀

Wie schnell hast du gemerkt, dass Kendo der richtige Sport für dich ist? Warum eigentlich Jodan?

Boah, gute Frage. Ich denke das war so nach einem halben Jahr eigentlich schon entschieden. Manchmal probiert man etwas neues aus und es ist einfach immer wieder toll. Nach sechs Monaten hatte ich von Angela die Erlaubnis bekommen das Men anzuziehen. Das hat mich sehr gefreut. Im Koan-Ken Dojo habe ich dann von allen Seiten immer gutes Feedback und Zuspruch bekommen. Dadurch hat das Training immer Spaß gemacht und in der Gemeinschaft habe ich mich einfach aufgehoben gefühlt.

Dann kommt da sicher noch dazu, dass man als Kampfsportler eine gewisse Sucht entwickelt. Taekwondo ging einfach nicht mehr so wie früher. Da musste dann etwas anderes mit schreien, schwitzen und Vollkontakt her. Bei Kendo habe ich das für mich wiedergefunden.

Michi (rechts) im Jodan-Kamae neulich bei einem Turnier in Dänemark.

Die Antwort darauf, warum ich Jodan mache, ist nicht ganz so leicht zu geben. Irgendwie weiß ich das auch selbst nicht so genau, aber das Verlangen danach ist einfach da. Da gibt es die Faszination an dem Kampfstil immer wieder alles auf eine Karte zu setzen, mit viel Spannung und geistiger Stärke nach vorne zu gehen und auch der Versuch mit dem Geist zuerst anzugreifen statt mit dem Schwert.  Als ich beim Sommerlehrgang in Steinbach war und mit Endo-Sensei jeden Tag mindestens einmal Jigeiko hatte (eigentlich, um zu lernen gegen Jodan zu kämpfen), hat er mir gesagt, dass er sehen will wie ich Jodan mache. Im Anschluss an das Jigeiko hatte er dann vermutet, dass Jodan zu meinem Charakter gut passen könnte. Im Moment würde ich aber sagen, dass mir „vor dem Körper“ und „über dem Kopf“ beides Spaß macht, ich mich mit dem Shinai oben aber ein bisschen wohler fühle.

… dass Jodan auch die Haltung des Feuers genannt wird und der Erzengel Michael ein Flammenschwert hat, hat natürlich gar nichts mit der Entscheidung zu tun XD

Bevorzugst du ein Dobari-Shinai für Jodan?

Da bin ich mir gerade noch nicht so sicher. Es ist definitiv so, dass mehr Gewicht Richtung Griff hilft. Ich habe aber den Eindruck, dass Shinai mit einem richtig breiten Knoten sehr anfällig dafür sind mit einer Suriage-Technik aus der Schnittlinie abgelenkt zu werden. Seit ein paar Wochen teste ich Shinai mit dickem Griff statt dickem ersten Bambusknoten und auch welche mit längerer Tsuka. Nachdem Jodan für jeden aber anders ist – genau wie Chudan – sollte man sich da immer selbst etwas durchtesten. Auf der anderen Seite hat man sicher ganz andere Probleme in seinem eigenen Kendo, wenn ein anderes Shinai einen unglaublich deutlichen Unterschied ausmacht. Ich denke es ist am wichtigsten, dass sich die Haltung locker und nicht verkrampft anfühlt.

Was ist deine Motivation Kendo zu machen? Wie hast du es geschafft so sehr am Ball zu bleiben?

Kendo ist für mich auf jeden Fall der Ausgleich zur Arbeit. Im Moment sitze ich da eigentlich den ganzen Tag am Rechner und bewege mich kaum. Da komme ich dann gerne drei Mal die Woche ins Erwachsenentraining, um alles rauszuschwitzen und den Kopf frei zu bekommen.

Wenn ich das Men an habe, fühlt es sich immer wieder an wie „Welt aus“ – als könnte man den Alltagsstress einfach ausschalten.

Aus dem Zuspruch von Sensei, Senpai und Peers ziehe ich sehr viel Motivation, aber auch die Tatsache, dass sich meine vielen Trainingsstunden in Platzierungen bei Turnieren und guten Prüfungsergebnisse wiederspiegeln, ist nicht zu vernachlässigen.

Daneben gibt mir die Position als Jugendtrainer eine gewisse Selbstverwirklichung, weil ich hier immer wieder gemeinsam mit den Kids und Jugendlichen ganz individuelle oder auch große Erfolge feiern kann. Einige der Kids und Jugendlichen sehen mich nach eigener Aussage als großes Vorbild. Das gibt mir jedes Mal einen riesigen Motivationsschub und ich gebe mein bestes, um noch besser zu werden. Ich denk je mehr ich selbst gut umsetzen und vormachen kann, desto mehr kann ich auch jede individuelle Entwicklung begleiten.

Was ist deine liebste Erinnerung bis jetzt? Was sind deine Ziele im Kendo?

Ich habe schon so viele tolle Erinnerungen durch Kendo und es kommen laufend welche dazu. Da ist es schwer sich auf eine liebste Erinnerung festzulegen. Ich versuche es Mal mit einer Top 3 – natürlich ungeordnet: a) Jetzt neulich erst, als im Halbfinale eines kleinen Turniers meine zweite Katate-Kote bei einem starken Gegner eingeschlagen hat. b) Der Moment, in dem mir eine Jugendliche im Training beim quatschen gessagt hat: „Wir schauen halt alle voll zu dir auf, Michi“ c)  Der Moment, in dem mir klar wurde, dass andere starke Kendoka aus allen möglichen Vereinen gerne mit mir trainieren und kämpfen, weil sie mich respektieren und Spaß daran haben ihr Kendo gegen meines prallen zu lassen.

Puhhh, meine Ziele. Ganz schön persönlich. Auf jeden Fall möchte ich mein Kendo immer weiter und weiter verbessern. Und wer weiß, vielleicht reicht es dann irgendwann für eine Kaderberufung, den 5. Dan oder sogar mehr. Um ehrlich zu sein kann ich nicht einschätzen, was davon realistisch ist.

Auch nach einem ganzen Tag Turnierleitung beim 2. Kokoro-Cup kann man noch breit grinsen

Was ist das Geheimnis hinter deinen starken Organisationsfähigkeiten?

Ich glaube, dass ich schon immer einen Gestaltungsdrang hatte. Ich war schon als Jugendlicher in der Jugendarbeit im Sportverein tätig und habe auch viele organisatorische Arbeiten im Abijahrgang gemacht, beispielsweise für den Abiball. Besonders gefreut hat es mich dann immer, wenn ich merken konnte, wenn es allen Spaß gemacht hat und meine Ideen in der Umsetzung auch noch gut ankamen. Also neben dem Gestaltungsdrang und dem Spaß an der Freude anderer einfach viel Übung – sind ja jetzt schon über 10 Jahre, in denen ich immer wieder solche Aufgaben übernehme.

Eine Anmerkung möchte ich hier noch machen: Ich bin mir sehr sicher, dass ich ohne den Kampfsport (früher eben Taekwondo und jetzt Kendo) nicht die Fähigkeit dazu entwickelt hätte mich bei der Organisation durchzusetzen und auch bei Problemen weiter durchzubeißen.

Wie würdest du andere überzeugen mit Kendo anzufangen?

Ich würde damit anfangen Videos von großartigen Kämpfen von der EKC oder WKC rauszusuchen und dann meiner Begeisterung für Kendo freien Lauf zu lassen. Wenn Menschen merken, dass man für etwas brennt und es einen glücklich macht, sind sie am ehesten davon zu überzeugen es auch zu probieren.

Was gefällt dir am besten im Koan-Ken Dojo?

Wie oben schon geschrieben ist der Zusammenhalt einfach unglaublich groß, das Training bei den Erwachsenen ist eigentlich immer gut gefüllt, mit den Kids und Jugendlichen im Training kann man sich gut auspowern und gemeinsam die sportlichen Grenzen testen … aber vielleicht noch wichtiger ist, dass man sich über alle Graduierungen und Altersstufen hinweg gegenseitig nach vorne schiebt und es quasi nie eine Frage ist, ob bei Veranstaltungen auch genug helfende Hände da sein werden. Kilian hat neulich in seinem Interview geantwortet, dass das Koan-Ken Dojo ein Profidojo sei. Das große „Geheimnis“ dahinter ist für mich, dass hier jeder als Teil des ganzen Begriffen wird und wir alle gemeinsam voranschreiten, aber jede und jeden in seinem eigenen Tempo bei uns mitnehmen.

 

Vielen lieben Dank für die tollen Fragen und auch dafür, dass ihr mich so ein bisschen indirekt dazu gezwungen habt mich selbst zu interviewen! Bis demnächst Mal wieder mit Bambusschwertern im Dojo oder mit einem kühlen Getränk im zweiten Dojo 😀